Aus dem Sanella-Album Australien Neuseeland

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Seite 55

"Kommt hierher!" ruft Freddy, der 30 Meter entfernt schwimmt. Klaus ist als erster bei ihm und macht ein ziemlich verdutztes Gesicht. Und nun spüre ich es auch! Aus der Tiefe sprudelt es warm herauf, und jetzt wird es mir sogar ein bißchen zu warm! Eine tolle Gegend hier - sogar im See gibt es heiße Quellen! Wir fahren weiter, am Ufer des Waikato entlang. Häufig müssen wir den Fluß verlassen, weil die Straße einen Bogen macht. Es wird Zeit, einen Lagerplatz zu suchen, denn langsam setzt die Dämmerung ein. Freddy verläßt die Straße und biegt in einen farnüberwucherten Weg ein. Rechts und links liegen zerklüftete Felsen, zwischen denen es plätschert, gurgelt, zischt und dampft. Hoffentlich kommt Freddy nicht auf die Idee, hier zu zelten. Doch - er kommt! Dicht vor einer 12 oder 15 Meter hochschießenden Dampffontäne hält er an. Auf einer Anhöhe, zwischen zwei niedrigen Farnbäumen, schlagen wir das Zelt auf. Dann schälen wir Kartoffeln. Freddy stellt den Topf einfach in ein Felsloch, in dem sich das kochend heiße Wasser des Geisers, so nennt man diese heißen Spring quellen, sammelt.

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Der hohe Wasserstrahl ist übrigens verschwunden, aber das heiße Wasser in dem kleinen runden Krater wallt und brodelt unruhig. "Es gibt Geisers, die stoßen ununterbrochen Wasser= oder Schlammsäulen aus, und andere, die legen Ruhepausen zwischen den Auswürfen ein", klärt Freddy uns auf. "Wollen mal sehen, wann unser Nachbar sich wieder rührt!" Nach dem Essen - die Kartoffeln sind in Rekordzeit gar geworden! - streifen wir durch die Umgebung des Lagers. "Paßt auf!" warnt Freddy. "Hier kann jeder Schritt gefährlich sein. Bleibt in jedem Fall auf festem Boden!" Klaus hat sich etwas von uns entfernt - er mußte wohl mal für ein paar Minuten allein sein. Plötzlich ruft er gellend unsere Namen. Über die Felsbrocken und Farnbüschel hinweg jagen wir zu ihm. Aber er hat sich schon selbst geholfen. Er sitzt auf einer Steinplatte und versucht, sich die Stiefelbänder aufzuknoten. Seine Hände zittern. Aus einem Erdloch, dicht neben ihm, steigt gelber, stinkender Dampf. "Es ging alles rasend schnell!" stößt er hervor. "Ich wollte hier hinübergehen, da merkte ich plötzlich, daß der Boden nachgab und warm wurde. Bevor ich zurückspringen konnte, war ich schon mit einem Bein eingebrochen. Und jetzt habe ich mir anscheinend meinen Fuß in dem heißen Schlammloch ganz hübsch verbrannt!" Wir nehmen Klaus zwischen uns und bringen ihn zum Zelt. Aber es ist noch einmal glimpflich abgegangen. Der feste Schuh hat die stärkste Hitze abgehalten. Nur Schienbein und Wade sind von Brandblasen bedeckt. Vorsichtig betupfen wir das Bein mit Öl. Als wir spät am Abend noch vor dem Zelteingang sitzen und unsere zischende und dampfende Umgebung beobachten, tauchen plötzlich zwei Maoris zwischen den Felsen auf. "Tena ra ko koe!" sagen sie und heben grüßend die Hände. Freddy gibt den Gruß zurück und lädt die beiden ein, eine Pfeife Tabak mit uns zu rauchen.

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